Über Vermissung und “momshaming”

Ein Zitat das triggert

Ich habe kürzlich einen Spruch gelesen, der mich wirklich wirklich wirklich sehr getriggert hat.

Du weißt dass du Mama bist, wenn du deine Kinder vermisst, sobald sie nicht bei dir sind.


Nach diesem Spruch bin ich wohl keine Mama. Denn ich vermisse meine Kinder tatsächlich nicht unbedingt, wenn sie mal nicht bei mir sind.
Ich bin eine Glucke, am liebsten habe ich (gerade den Kleinen, weil er ein ausgesprochenes Mamakind ist) die Kids um mich. Ich weiß gerne wo sie sind, was sie machen und manchmal ist das tatsächlich essentiell. (Wundschutzcreme, Katze, Sofa, ihr kennt das).
Und doch muss ich gestehen, dass ich es auch unglaublich genieße, wenn ich mal nicht Mama bin. Ich vermisse sie nicht, wenn ich einen ganzen Tag ohne sie verbringe um meine Akkus zu füllen. Ich vermisse sie nicht, wenn ich ganz allein mit meiner Freundin unterwegs bin. Und ich vermisse sie nicht, wenn ich einfach mal alleine einkaufen fahre. Ich vermisse sie nicht, wenn ich zur Arbeit fahre. Ich vermisse sie auch nicht, wenn sie mit Papa das Auto waschen, oder sonst irgendetwas machen, wo ich eben nicht die betreuende Person bin.

Fragen die nur Mama hört

Und jetzt mal ehrlich. Dieser Satz: “Du vermisst doch bestimmt deine Kinder?”, wenn eine Mama sich auf den Weg zu einem Mädelsabend macht, den gibt es auch nur bei Mamas. Keiner käme auf die Idee, meinen Mann zu fragen, ob er seine Kinder vermisst, wenn er abends zu seinen Freunden “auf ein Bier” geht. Keiner käme auf die Idee, meinen Mann zu fragen, ob er seine Kinder vermisst, wenn er morgens zur Arbeit fährt. Und wirklich niemand kommt auf die Idee, meinen Mann zu fragen, ob er seine Kinder vermisst, wenn sie mit mir ein Wochenende bei den Großeltern verbringen.
Absolut niemand erwartet von einem Vater, dass er seine Kinder vermisst, wenn er nicht mit ihnen zusammen ist.
Aber jeder scheint zu erwarten, dass eine Mama genau das tut.

Papas zählen aber auch

Niemand stellt in Frage, dass Väter auch mal Zeit für sich brauchen, unabhängig von der Familie. Immerhin gehen die Papas ja auch den ganzen Tag arbeiten. Dass aber Mamas auch arbeiten, und dann auch noch den Mammutanteil der Carearbeit für die Kinder übernehmen, das wird gerne mal vergessen. Klar, sie sind ja auch die Mama. Die machen das eben. Sie haben ja schließlich den Uterus, also ist es deren Job.
Dass aber eine Mama (in der Regel) den Nachwuchs nicht alleine bekommen hat, sondern es dazu auch einen Papa gibt, der genau dieselben Aufgaben, Rechte und Pflichten hat, was die Versorgung und Betreuung des Nachwuchses angeht, das wird gerne vergessen.

Wir werden laut

Es muss endlich ein Umdenken stattfinden. Frauen wollen Gleichberechtigung. Und da sind wir noch meilenweit von entfernt. Solange Frauen in eine Rolle gedrängt werden, die ihnen suggerieren, dass ihre Lebensaufgabe darin besteht, Kinder zu bekommen und in der Mutterrolle zu 150% aufzugehen, sich selbst aufzugeben, und ihre eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen, solange werden Frauen nicht aufhören laut zu werden. Laut für Gleichberechtigung. Laut gegen klischeehafte Rollenbilder! Wir wollen modern denkende Kinder heranziehen, wir wollen als tolerante und weltoffene Gesellschaft gesehen werden. Wir werden laut gegen Momshaming und schreien “bedürfnisorientiertes Familienleben” laut hinaus. Und gleichzeitig liest man unter genau diesem Hashtag dann so Sätze, wie eingangs geschrieben.

Weil Papa

Ich bin eine Mama, eine von denen, die die Kinder tatsächlich am liebsten selbst betreut. Aber nein! Ich vermisse meine Kinder nicht, wenn ich mal einen Tag ganz ohne sie verbringe! Ich weiß, dass der Vater genauso in der Lage ist, unsere gemeinsamen Kinder zu versorgen. Und auch wenn es dem Kleinen nicht unbedingt auf Anhieb gefällt, begleitet auch der Papa hier den Zwockel in den Schlaf. Ganz ohne Uterus und Milchdrüsen.

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