Mental Load

Ein Begriff der in aller Munde ist, in meiner kleinen Instagram Filterblase. Viele Mütter beklagen sich, dass sie der Mental Load der Familie zum Hauptanteil tragen.
Und ganz oft kommen dann die fragenden Gesichter. Was ist denn dieser “Mental Load” eigentlich?

Das ist im Grunde ganz einfach zu erklären. Mental Load umfasst grob gesagt das Familienmanagement. Alles, was im Blick behalten werden muss, damit der Familienalltag nicht völlig im Chaos untergeht gehört zum Mental Load. Das beginnt beim rechtzeitigen Aufstehen und Wecken der Kinder, geht über die Organisation des Kita und Schulabwurfs, das im Blick haben, was auf die Einkaufsliste muss, und ob die Sachen vom Kind für den Sport gewaschen sind. Das im Blick haben, wann der nächste U-Untersuchungstermin ist und ob ein neuer Termin für die halbjährliche Zahnarztkontrolle ansteht. Hat das Kind schon die passende Garderobe für die nächste Jahreszeit? Passen die Schuhe noch? Wie sieht es mit den Jacken aus? Und passen die Hausschuhe im Kindergarten noch? Ist Montags die Selbsterklärung für die Kita im Rucksack? (Selbsterklärungen sind Zettel auf denen Eltern unterschreiben, dass sie und ihre Kinder gesund sind – Corona Bürokratie). Und was kochen wir heute Abend? Nebenbei muss der Haushalt organisiert werden, und die Taxifahrten der Fahrgemeinschaft für die Junior Fußballmannschaft.

Kurzum, ALLES was in irgendeiner Form mit der Organisation vom Alltag in Verbindung steht gehört zum Mental Load. Und erfahrungsgemäß ist das eher das Aufgabengebiet der Mütter. So ist es zumindest in meiner Filterblase. Und ein damit einhergehendes Problem ist der Burnout. Eigentlich naheliegend. Wenn immer einer alles auf dem Schirm haben muss, dann kann das auf Dauer nicht gut gehen.

So viele sagen: “ja aber wir teilen uns doch die Aufgaben”. Ja mag sein, aber teilt ihr euch auch alles was dazu gehört? Klassisches Beispiel. Der Mann fährt einkaufen. Und wer macht die Einkaufsliste? Richtig. Die Frau. Und was kommt drauf? Richtig, alles was für die kommende Woche benötigt wird und nicht mehr ausreichend zu Hause ist. Die Frau hat in diesem Beispiel also auf dem Schirm, was es zu essen geben soll in der kommenden Woche, nicht nur das Mittag, sondern in der Regel drei Mahlzeiten und vielleicht noch ein paar Snacks, sie hat auf dem Schirm, was dafür eingekauft werden muss, und kann dem Mann sogar oftmals noch sagen, WO im Supermarkt er das Benötigte findet. Der Mann fährt dann los und kauft ein, was ihm die Frau auf die Liste geschrieben hat (und zumindest bei uns noch einiges Unnötiges, weil es “im Angebot” war), vergisst dabei (wegen eines Angebotsschildes) das Katzenfutter. So hier in der Vergangenheit schon geschehen. 😉

Bei uns war es in den letzten zwei Wochen organisatorisch echt abenteuerlich. Aufgrund von Personalmangel sowohl bei mir in der KiTa als auch bei meinem Mann an der Arbeit mussten wir unser Pensum anpassen, und natürlich auch die eigenen Kinder entsprechend unterbringen. In meinem Fall sah das dann wie folgt aus. Ich fange normalerweise um 8 an zu arbeiten, bis 13 Uhr. Ich habe dann an fünf Tagen um 7 angefangen, an vier Tagen hat meine Schwester morgens um halb sieben meine Kinder übernommen, weil der Mann auch früher aus dem Haus musste. an zwei Tagen bin ich dann bis 15 Uhr an der Arbeit geblieben, mein Kindergartenkind wurde dann von meiner Schwägerin abgeholt und zu Hause von meiner Schwester betreut, die sich derweil um mein Schulkind gekümmert hat. An einem Tag bin ich bis 18:30 in der KiTa geblieben, weil wir noch Dienstbesprechung hatten.
Ich habe also für die Kinderbetreuung einige Absprachen treffen müssen, damit ich den Personalmangel an meiner Arbeit ausgleichen konnte. Nebenbei hatte ich auf dem Schirm was noch eingekauft werden musste – und wie es halt manchmal so ist, ich habe es vergessen dem Mann mitzuteilen, so dass dann die Brotdosen am Freitag aus Resten zusammengesammelt waren.

Defacto ist es ein Problem, wenn eine Person alleine den Mental Load zum überwiegendem Teil trägt, weil entweder diese eine Person früher oder später schlichtweg nicht mehr kann, oder eben vielleicht wichtige Sachen auch mal untergehen oder hinten runterfallen.

Worauf ziele ich hier eigentlich ab? Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, oder wenigstens mal zum Augen aufmachen anregen, was Frauen (insbesondere Mütter) eigentlich den ganzen Tag lang so leisten. Oftmals ist es uns gar nicht bewusst, weil es “halt schon immer so war”. Aber nur, weil etwas schon immer so war, muss es ja nicht für immer so bleiben. Veränderung ist durchaus in vielen Bereichen gut und erstrebenswert.
Deshalb schaut doch einfach mal, was ihr oder eure Partner:in so leisten. Und ob ihr nicht die ein oder andere Angelegenheit übernehmen könnt.

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