Manchmal möchte ich kündigen

Dieser Mamajob ist manchmal echt anstrengend und nervenaufreibend. Zum Beispiel, wenn man als Mama einen Plan im Kopf hat, und den nicht umsetzen kann, weil die Kinder einen anderen Plan in ihren Köpfen haben.
Manchmal möchte man als Mama auch mal nur ein paar Minuten Ruhe im Haus, ohne dafür nachts um vier aus dem Bett zu kriechen, nur um noch ein zwei Stunden Ruhe zu haben, eh der Alltag wieder los geht. Da sind dann aber die Kinder, die hier etwas Süßes wollen, da das Wasser verschütten, weil sie sich allein einschenken wollen, aber die Flasche noch zu voll ist. Da sind die Kinder die sich um ein Spielzeug streiten. Oder der Ältere, der sich vom Jüngeren auch mal genervt fühlt.

All das verstehe ich. Und normal kann ich das auch ganz gut ab und habe meistens eine Lösung parat, wenn die gewünscht wird.
Und manchmal möchte ich den Kopf in den Sand stecken und einfach nichts sehen und nichts hören.
Ich weiß, dass meine Kinder irgendwann groß sind. Im Idealfall sind sie dann auch gescheit und nehmen es mir nicht übel, wenn ich nicht jeden Tag die Sonnenscheinlaunenmama war.

Ich liebe meine Kinder. So wie die meisten Mütter ihre Kinder lieben. Aber wie die meisten Mütter auch, sehne ich mich manchmal nach Ruhe, nach Entspannung und noch mehr Ruhe. Meistens dann, wenn es gerade sehr anstrengend und nervenaufreibend ist. Wenn sich die Kinder streiten. Wenn sie besonders fordernd sind. Natürlich weiß ich, dass kein negatives Verhalten darauf abzielt mich zu ärgern. Es ärgert mich dennoch. Und natürlich frustriert mich das manchmal. Denn mal ehrlich: Niemand ärgert sich gerne. Am meisten ärgert mich dabei, dass es mich ärgert. Ich weiß, dass es tief in mir etwas triggert. Etwas, was in meiner eigenen Kindheit begründet liegt. So wie es bei den meisten Menschen ist. Das was uns bei unseren Kindern am meisten ärgert, sind Sachen, die irgendwo in unserer eigenen Kindheit verankert sind.

Ich könnte jetzt daher gehen und sagen, dass ich immer alles im Griff habe. Ich habe immerhin die Fachausbildung und weiß um viele Hintergründe. Ich kann Situationen und Verhaltensweisen reflektieren und überdenken. Natürlich kann ich das. Aber das macht mich nicht frei von Fehl und Tadel. Ich bin ein Mensch, wie jeder andere auch. Ich habe auch nur Nerven, und manchmal liegen die eben auch blank.

Es ist leicht, sich hinzustellen und so zu tun, als würde einen nichts nerven, und nichts anstrengen. Im Social Media zeigen wir alle nur den Sonnenschein und selten die Schattenseiten. Aber alles, was glänzt wirft nunmal auch Schatten. Und auch eine ausgebildete Fachkraft macht mal Fehler.

Hier zu Hause bin ich Mutter. Nicht Erzieherin. Hier zu Hause verkacke ich manchmal diverse Situationen. Ich bin zu Hause auch ungeduldiger als in der KiTa. Weil meine eigenen Kinder mich an wunden Punkten treffen, die “fremde” Kinder niemals erreichen.
Das ist auch völlig normal, denn ich habe ja zu meinen eigenen Kindern eine ganz andere Bindung als zu denen, die ich beruflich betreue. Meine eigenen Kinder haben das Pech, dass ich manchmal Erwartungen an sie und ihr Verhalten stelle, die sie nicht erfüllen können oder wollen. Im Grunde müssen sie das auch nicht, sie haben ihren eigenen Kopf zum denken. Und doch ertappe ich mich oft dabei, doch meine Erwartungen zu haben und deren Erfüllung vorauszusetzen. Mein Problem, nicht das meiner Kinder.

Mein Job ist es, da zu sein. Frusttoleranz zu schulen, Sozialkompetenz zu ermöglichen, Selbstkompetenz zu erlernen. Nebenbei muss ich trösten, spiegeln, Gefühle begleiten, zeigen, wie man adäquat mit Stress und Frust umgeht, wie man Enttäuschung verarbeitet und wie man auch mal fünfe gerade sein lässt. Das klingt deutlich leichter als es ist. Wer kennt es nicht, das wütende Kleinkind im Supermarkt. Unsere Aufgabe ist es nicht, das Kind da liegen zu lassen, oder es uns unter den Arm zu klemmen und zu gehen. Unser Job ist es, diese Wut und diesen Frust zu begleiten. Egal was die anderen denken. Das ist ein Knochenjob, dessen müssen wir uns bewusst sein. Wir Mütter stehen immer wieder im Kampf gegeneinander. Totaler Schwachsinn, aber kaum eine kann sich davon frei machen, ab und an zu denken “was jetzt wohl Mutter xyz denkt” Manchmal nervt mich das alles maßlos. Manchmal ist mir das alles zu viel. Manchmal wächst mir das alles über den Kopf.
Und manchmal, ja manchmal würde ich diesen Mamajob gerne kündigen.

Related Post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.