Erwachsen werden

Was bedeutet das eigentlich?

Erwachsen werden, irgendwann steht dieses Thema bei jedem von uns mal im Raum. Dann hören Teenager schon “Werd endlich erwachsen”.
Doch was bedeutet das überhaupt? Erwachsen werden?

Früher….

…. dachte ich, dass wäre gekoppelt mit einem Gefühl. Wenn ich mal 20 bin, dann fühle ich mich bestimmt so und so. Oder auch, wenn ich 30 bin, dann… Ich hatte als Teenager eine Vorstellung davon, wie das wohl sein wird, wenn ich mal “Erwachsen” bin. Dann habe ich einen Beruf, einen Mann, Kinder. Irgendwas erreicht. Und ich dachte immer, dass sich das irgendwie besonders anfühlen muss. Ich hatte in mir drinnen eine Erwartungshaltung an die Art “Wie” ich mich fühlen müsste, wenn ich dann einen Beruf gelernt habe. Geheiratet habe. Mutter bin. Ich war überzeugt, dass das mit einem Gefühl verbunden sein würde.

Heute…

… weiß ich immer noch nicht so richtig, was es eigentlich bedeutet Erwachsen zu sein. Ich habe inzwischen einen Beruf erlernt. Ich habe geheiratet und ich bin Mutter von zwei Kindern. In meinem Alltag übernehme ich Verantwortung. Ich muss dafür Sorge tragen, dass mindestens zwei junge Menschen versorgt werden. Dass sie rechtzeitig aufstehen, in die KiTa und die Schule gehen. Dass sie vorher gefrühstückt haben, dass in ihren Brotdosen ein gesundes zweites Frühstück drinnen ist. Ich muss dafür Sorge tragen, dass sie saubere und intakte Kleidung tragen, die den Witterungsverhältnissen angepasst ist. Ich muss dafür sorgen, dass sie nach der Kita und Schule Mittag bekommen, dass der Große seine Hausaufgaben macht. Ich höre ihnen zu, wenn sie was erzählen und begleite ihre überschäumenden Emotionen. Meistens sogar ganz adäquat. Weil das in meiner Verantwortung liegt. Ich habe die Fürsorgepflicht und trage die Verantwortung, dass sie eine beschützte Kindheit haben und sich gesund entwickeln können.
Ich trage auch die Verantwortung, gemeinsam mit meinem Mann unsere Versorgung sicher zu stellen. Dass wir ein Dach über dem Kopf und was zu essen im Kühlschrank haben.

Das alles…

… ist Teil des Erwachsen seins. Aber es ist nicht so, wie ich früher erwartet hatte, dass es sein würde. Ich habe nicht dieses bestimmte erwachsene Gefühl, von dem ich dachte, dass ich es mal fühlen würde. Vielleicht kommt das noch irgendwann. Das weiß ich nicht. Ich übernehme die Verantwortungen für die Bereiche in die ich langsam hineingewachsen bin. Und meistens mache ich das ziemlich gut. Und trotzdem fühle ich mich überhaupt nicht so, wie ich dachte, dass ich mich mit 30 mal fühlen würde. Diese Erwartungshaltung, die ich tief in mir drinnen hatte, die hat sich (noch) nicht erfüllt.

Manchmal erwische ich mich…

… dabei, dass ich mich frage “Kann ich das mit 30 noch machen?” und manchmal frage ich sowas auch meine beste Freundin, um mit ihr in den Meinungsaustausch zu gehen. Und dann denke ich, eigentlich ist das alles doch gar nicht von einem Alter abhängig. Wenn ich es mir vorstellen kann zu tun, dann kann ich es auch tun. Legalität vorausgesetzt. 😉

Erwachsen sein bedeutet für mich, eigenverantwortlich meinen Alltag zu gestalten. Mit all meinen Verantwortungen die ich habe, und allen Freiheiten, die mir genauso zustehen. Es ist nicht verbunden mit einem Gefühl, wie ich früher fest überzeugt von war. Ich fühle mich manchmal überhaupt nicht erwachsen und es gibt nicht wenige Momente, in denen ich mir wünschte, mein Vater würde mir die ein oder andere Verantwortung abnehmen, wie er es tat, als ich ein Teenager war. Aber auch das gehört zum Erwachsen sein dazu. Dass es eben nicht immer leicht ist, aber dass ich mit gesundem Menschenverstand (und bei Bedarf auch meinem Vater am Telefon) die Entscheidungen treffe, auch die schwierigsten Situationen zu lösen. Und an mir selbst wieder ein Stück mehr zu wachsen. Erwachsen sein ist eigentlich ganz cool. Weil ich die Freiheit habe, auch mal kindisch zu sein, wenn mir danach ist.

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